
Narbe ist nicht gleich Narbe. Bevor wir also darüber reden, was man auf eine Narbe schmieren, kleben, spritzen oder lasern kann, müssen wir zunächst klären, um welche Art von Narbe es sich überhaupt handelt.
Die gute Nachricht vorweg: Bei sehr vielen Narben lautet die Therapie zunächst einmal erstaunlich unspektakulär:
Zeit und Geduld.
Denn eine Narbe, die nach sechs Wochen noch rot und etwas erhaben ist, sieht ein Jahr später häufig völlig anders aus.
Welche Arten von Narben gibt es?
Reife Narbe
Eine reife Narbe ist eine ältere, helle oder hautfarbene Narbe, die häufig fast gar nicht mehr auffällt. Sie ist flach, weich und kaum noch tastbar.
Hier muss man meistens gar nichts mehr tun.
Frische oder unreife Narbe
Eine frische Narbe ist häufig noch rötlich, manchmal etwas erhaben und deutlich tastbar. Sie kann jucken, spannen oder gelegentlich auch etwas brennen.
Das ist zunächst einmal nichts Ungewöhnliches. Die Haut ist mit ihrer Reparatur schlicht noch nicht fertig.
Atrophe Narbe
Atrophie bedeutet Gewebeschwund. Eine atrophe Narbe liegt deshalb tiefer als das umgebende Gewebe.
Beim Darüberstreichen „fällt der Finger“ gewissermaßen in eine kleine Vertiefung.
Typische Beispiele sind manche Aknenarben oder eingesunkene Narben nach stärkeren Entzündungen und Verletzungen.
Hypertrophe Narbe
Bei einer hypertrophen Narbe haben es die Fibroblasten mit der Kollagenproduktion etwas zu gut gemeint.
Die Narbe ist verdickt, erhaben, häufig gerötet und kann jucken oder bei Berührung unangenehm sein.
Wichtig: Die hypertrophe Narbe bleibt innerhalb der ursprünglichen Wundgrenzen.
Keloid
Das Keloid ist noch einmal etwas anderes.
Hier wächst das Narbengewebe über die ursprünglichen Wundränder hinaus. Das Keloid kann wulstig, derb und deutlich gerötet oder stärker pigmentiert sein. Häufig juckt oder brennt es und kann bei Berührung sehr empfindlich reagieren.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn ein Keloid behandelt man nicht genauso wie eine normale oder hypertrophe Narbe.
Was passiert eigentlich bei der Narbenbildung?
Kurz nachdem eine Verletzung eingetreten ist, läuft in der Haut eine wahre Maschinerie an Reparaturmechanismen an.
Horden von Entzündungszellen wuseln zur Stelle der Verletzung, verschiedenste Boten- und Wachstumsfaktoren werden ausgeschüttet und die Fibroblasten – also die kollagenbildenden Zellen unserer Haut – nehmen ihre Arbeit auf.
Zunächst muss die Wunde geschlossen werden. Danach wird neues Kollagen gebildet. Dieses liegt anfangs noch relativ ungeordnet im Gewebe und wird im Laufe der folgenden Monate immer wieder abgebaut, neu gebildet und anders ausgerichtet.
Man könnte sagen: Die Haut räumt nach der eigentlichen Reparatur noch sehr lange auf.
Dieser Umbauprozess – das sogenannte Remodeling – kann ein Jahr oder sogar länger dauern (Spielman et al. 2023).
Trotz all dieser Reparaturkunst ist Narbengewebe nicht identisch mit der ursprünglichen Haut. Haarfollikel, Talg- und Schweißdrüsen können fehlen, die Pigmentierung kann verändert sein und auch die mechanischen Eigenschaften sind anders.
Deshalb ist eine Narbe manchmal empfindlicher, trockener oder weniger belastbar als die ursprüngliche Haut.
Frische Narbe: Was tun?
Bei einer unkompliziert heilenden frischen Narbe lautet meine Antwort meistens:
Nicht zu viel.
Die Haut braucht zunächst einmal Ruhe und Zeit.
Sobald die Wunde vollständig geschlossen ist, kann man die Haut mit einer normalen Pflegecreme versorgen, wenn sie trocken oder gespannt ist.
Außerdem sinnvoll:
- mechanische Reizung vermeiden
- unnötigen Zug auf die Narbe reduzieren
- nicht ständig daran herumreiben oder kratzen
- konsequent vor Sonne schützen
Gerade der UV-Schutz ist wichtig. Frische Narben können sich unter UV-Einfluss deutlich stärker verfärben – je nach Hauttyp heller oder dunkler als die umgebende Haut.
Braucht eine Narbe eine spezielle Narbencreme?
Für eine ganz normale frische Narbe meistens nicht.
Den Fibroblasten einige Hautschichten tiefer ist es nämlich ziemlich schnurzpiepegal, ob oben Zwiebelextrakt, Allantoin oder eine besonders teuer verpackte „Narbenpflege“ aufgetragen wird.
Wenn die Haut trocken ist, reicht häufig eine vernünftige, gut verträgliche Pflegecreme.
Eine Ausnahme sind Silikonprodukte. Silikongel und Silikonauflagen sind nicht einfach kosmetische Narbencremes, sondern haben insbesondere bei hypertrophen Narben und Keloiden einen etablierten Stellenwert (Wang et al. 2020).
Soll man Narben massieren?
Eine Narbenmassage kann durchaus angenehm sein und Spannung, Juckreiz oder Schmerzen lindern.
Eine kontrollierte Studie an Brandverletzten hatte seinerzeit keinen überzeugenden langfristigen Unterschied zwischen Massage und keiner Massage gezeigt. Neuere Übersichtsarbeiten zeigen jedoch durchaus Hinweise darauf, dass Massage insbesondere bei hypertrophen Verbrennungsnarben Schmerzen, Juckreiz, Beweglichkeit und einzelne Narbenparameter verbessern kann. Die Studien sind allerdings sehr unterschiedlich aufgebaut (Barnes et al. 2024).
Wir lernen also:
Eine sanfte Massage kann sinnvoll und angenehm sein. Aber man muss eine frische Narbe nicht minutenlang kräftig durchkneten, damit sie „schön heilt“.
Im Gegenteil: Zu viel mechanischer Reiz kann frisch verheilte Haut unnötig irritieren.
Was hilft bei hypertrophen Narben?
Bei einer hypertrophen Narbe sind die Fibroblasten mit ihrer Arbeit quasi über das Ziel hinausgeschossen.
Es wurde zu viel Narbengewebe gebildet.
Bestimmte Körperstellen neigen besonders dazu. Dazu gehören beispielsweise:
- Dekolleté beziehungsweise Brustbein
- Schultern
- oberer Rücken
- Gelenkregionen
Hypertrophe Narben sind deutlich tastbar, häufig rötlich gefärbt und können jucken oder empfindlich sein.
Eine gewisse Verdickung kann während der normalen Narbenreifung zunächst auftreten. Wenn die Narbe jedoch deutlich wulstig bleibt oder Beschwerden macht, kann eine Behandlung sinnvoll sein.
Silikon
Hier kommen die Silikone ins Spiel.
Silikongel oder Silikonpflaster gehören zu den etablierten konservativen Maßnahmen bei hypertrophen Narben.
Wichtig ist allerdings: Silikon wirkt nicht einfach deshalb, weil das Pflaster Druck auf die Narbe ausübt. Silikontherapie und Drucktherapie sind zwei unterschiedliche Behandlungsprinzipien.
Die genaue Wirkweise von Silikon ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen unter anderem eine veränderte Hydratation der Hornschicht und dadurch beeinflusste Reparaturprozesse eine Rolle.
Das Entscheidende für den Alltag lautet aber:
Man braucht Geduld.
Ein Silikonpflaster oder Silikongel zeigt normalerweise nicht nach fünf Tagen einen spektakulären Effekt. Die Behandlung wird häufig über Wochen bis Monate durchgeführt.
Drucktherapie
Drucktherapie ist eine eigene Behandlungsmethode.
Sie wird vor allem bei größeren hypertrophen Narben und insbesondere bei Verbrennungsnarben eingesetzt. Hier kommen häufig speziell angepasste Kompressionsmaterialien zum Einsatz.
Silikon und Druck können auch kombiniert werden (Zhang et al. 2023).
Kortison
Eine weitere Möglichkeit sind Kortisoninjektionen direkt in die Narbe.
Kortison hemmt unter anderem die Kollagenbildung und kann dadurch dazu führen, dass das überschießende Narbengewebe flacher und weicher wird.
Meist sind mehrere Behandlungen notwendig.
Allerdings muss man hier mit Augenmaß vorgehen. Zu viel Kortison kann wiederum eine Atrophie verursachen – also genau das Gegenteil: eine eingesunkene, ausgedünnte Haut.
Laser
Auch verschiedene Laserverfahren können eingesetzt werden.
Dabei gibt es allerdings nicht „den Narbenlaser“.
Ein Gefäßlaser kann beispielsweise bei einer stark geröteten Narbe interessant sein, während fraktionierte Laserverfahren eher die Struktur des Narbengewebes beeinflussen sollen.
Welche Technik sinnvoll ist, hängt deshalb immer davon ab, was an der Narbe überhaupt verbessert werden soll.
Keloid: Hier ist Zurückhaltung besonders wichtig
Das Keloid ist dadurch gekennzeichnet, dass das Narbengewebe über die ursprünglichen Wundränder hinauswächst.
Ein Keloid kann aufgrund seiner Größe und Farbe kosmetisch sehr störend sein. Dazu kommen häufig Juckreiz, Brennen oder Schmerzen.
Entsprechend hoch kann der Leidensdruck sein.
Und genau hier liegt die Gefahr der Überbehandlung.
Ein Keloid hat nämlich eine ausgesprochen unangenehme Eigenschaft: Es reagiert auf Verletzungen mitunter damit, erneut kräftig Narbengewebe zu produzieren.
Das bedeutet aber nicht, dass Laser oder Operation grundsätzlich verboten wären. Entscheidend ist vielmehr, wie und in welchem Behandlungskonzept sie eingesetzt werden.
Eine alleinige operative Entfernung eines Keloids ist aufgrund des hohen Rezidivrisikos problematisch. Wird operiert, muss anschließend eine konsequente Rezidivprophylaxe eingeplant werden (S2k-Leitlinie pathologische Narben).
Die Behandlung eines Keloids gehört deshalb eindeutig in erfahrene Hände.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es beim Keloid?
Je nach Größe, Lokalisation und Vorbehandlung kommen verschiedene Verfahren infrage:
- Kortisoninjektionen
- 5-Fluorouracil-Injektionen
- Kryotherapie
- Silikon
- Drucktherapie
- verschiedene Laserverfahren
- in ausgewählten Fällen operative Entfernung mit anschließender Zusatzbehandlung
Sehr häufig werden mehrere Verfahren miteinander kombiniert.
Hilft Vereisen?
Ja, eine Kryotherapie kann bei Keloiden sinnvoll sein.
Dabei wird flüssiger Stickstoff verwendet. Flüssiger Stickstoff selbst hat eine Temperatur von ungefähr −196 °C. Wie stark das behandelte Gewebe tatsächlich abkühlt, hängt von der jeweiligen Technik und Behandlungsdauer ab.
Durch die Vereisung wird Narbengewebe geschädigt und kann anschließend flacher werden.
Oft wird die Kryotherapie mit Kortisoninjektionen kombiniert.
Man darf allerdings nicht vergessen, dass auch die Vereisung Nebenwirkungen haben kann. Dazu gehören Schmerzen, Blasenbildung und insbesondere bei dunkleren Hauttypen Pigmentverschiebungen.
Auch hier gilt also:
Geduld und Zurückhaltung sind meist bessere Berater als Aktionismus.
Was tun bei atrophen Narben?
Eine atrophe Narbe ist im Prinzip das Resultat eines Gewebeverlustes.
Die Haut war nach einer Verletzung oder Entzündung nicht mehr in der Lage, das ursprüngliche Volumen vollständig wiederherzustellen.
Typische Beispiele sind Aknenarben.
Auch Kortisoninjektionen können übrigens eine Atrophie verursachen, wenn zu viel Wirkstoff in das Gewebe gelangt.
Hier hilft natürlich kein Silikonpflaster. Wo Gewebe fehlt, müssen wir therapeutisch völlig anders denken.
Je nach Art und Tiefe der Narbe kommen beispielsweise infrage:
- Microneedling
- fraktionierte Laserbehandlungen
- Subcision
- chemische Peelings bei bestimmten Narbentypen
- Hyaluronsäure-Filler
- Eigenfett
- operative Verfahren
Gerade bei Aknenarben gibt es verschiedene Formen: sogenannte Ice-pick-, Boxcar- und Rolling-Scars.
Deshalb gibt es auch nicht die eine Behandlung für Aknenarben. Häufig ist eine Kombination verschiedener Verfahren am sinnvollsten (Ou et al. 2026).
Kann man eingesunkene Narben einfach aufspritzen?
Bei geeigneten atrophen Narben: ja.
Zum Auffüllen können beispielsweise Hyaluronsäure oder Eigenfett verwendet werden.
Je nach Ursache der Narbe kann es allerdings sinnvoll sein, zunächst Verwachsungen unter der Narbe mit einer sogenannten Subcision zu lösen oder Filler mit Laser beziehungsweise Microneedling zu kombinieren.
Die früher gern verwendete allgemeine Formulierung, man könne solche Narben einfach mit „Kollagen aufspritzen“, würde ich heute so nicht mehr verwenden. Dafür stehen inzwischen deutlich differenziertere Verfahren zur Verfügung.
Kann man Narben lasern?
Ja.
Aber wie bereits gesagt: „Narben lasern“ ist ungefähr so präzise wie „Haut behandeln“.
Es kommt darauf an, was das Problem ist.
Ist die Narbe zu rot?
Ist sie zu dick?
Ist sie eingesunken?
Ist ihre Oberfläche unregelmäßig?
Zieht sie und schränkt Bewegungen ein?
Je nachdem kommen ganz unterschiedliche Lasersysteme und Behandlungskonzepte infrage.
Deshalb sollte eine Laserbehandlung von Narben nicht nach dem Motto „einmal drüberlasern und fertig“ erfolgen.
Wann sollte man mit einer Narbenbehandlung beginnen?
Auch hier gibt es keine Antwort für alle Narben.
Eine normale, frische Narbe darf zunächst einmal reifen.
Man muss nicht jede etwas rote Operationsnarbe nach vier Wochen behandeln.
Anders sieht es aus, wenn sich früh eine deutlich hypertrophe Narbe oder ein Keloid entwickelt. Dann kann es sinnvoll sein, bereits früh konservativ zu behandeln – beispielsweise mit Silikon.
Die früher verbreitete Empfehlung, bei jeder auffälligen Narbe grundsätzlich erst einmal ein Jahr abzuwarten, ist deshalb zu pauschal.
Für eine operative Narbenkorrektur ist dagegen häufig Geduld angebracht, sofern keine funktionelle Einschränkung oder andere dringende Indikation besteht.
Was kann man nach einer Operation selbst tun?
Eine perfekte Narbenheilung kann leider niemand garantieren.
Einige Dinge helfen aber dabei, der Haut vernünftige Voraussetzungen zu geben:
- die Wunde entsprechend der ärztlichen Empfehlung versorgen
- Zug auf die Narbe möglichst reduzieren
- erst nach vollständigem Wundverschluss cremen
- konsequenten Sonnenschutz verwenden
- nicht rauchen
- Infektionen früh behandeln lassen
- bei bekannter Keloidneigung frühzeitig Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten
Wer bereits weiß, dass er zu hypertrophen Narben oder Keloiden neigt, sollte das übrigens vor einer geplanten Operation erwähnen.
Warum jucken Narben eigentlich?
Juckreiz ist bei frischen und insbesondere bei hypertrophen Narben häufig.
Die Gründe sind komplex. Entzündungsmediatoren, trockene Haut, Veränderungen kleiner Nervenfasern und die Spannung im Gewebe können eine Rolle spielen.
Ein bisschen Juckreiz während der Narbenreifung ist also zunächst nicht ungewöhnlich.
Wenn eine Narbe gleichzeitig immer dicker wird, stark juckt oder über die ursprüngliche Wunde hinauswächst, sollte sie ärztlich angesehen werden.
Was ist mit Verbrennungsnarben?
Größere Verbrennungsnarben sind eine eigene Baustelle.
Hier geht es nicht nur um das kosmetische Erscheinungsbild. Ausgedehnte Narben können zu Kontrakturen, Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und massivem Juckreiz führen.
Zum Einsatz kommen unter anderem Kompression, Silikon, Physiotherapie, Laser und operative Verfahren.
Ausgedehnte Verbrennungen und problematische Verbrennungsnarben gehören deshalb in die Hände spezialisierter Zentren für Verbrennungsmedizin beziehungsweise Plastische und Rekonstruktive Chirurgie.
Wann sollte eine Narbe zum Hautarzt?
Eine ärztliche Beurteilung ist sinnvoll, wenn:
- die Narbe zunehmend dicker wird
- sie über die ursprünglichen Wundgrenzen hinauswächst
- sie stark juckt oder schmerzt
- sie Bewegungen einschränkt
- sie immer wieder aufreißt
- Entzündungszeichen auftreten
- eine deutlich eingesunkene Narbe behandelt werden soll
- eine Laser- oder operative Behandlung geplant ist
Und natürlich immer dann, wenn gar nicht sicher ist, ob es sich überhaupt nur um eine Narbe handelt.
Häufige Fragen zur Narbenbehandlung
Kann eine Narbe komplett verschwinden?
Eine echte Narbe verschwindet normalerweise nicht vollständig.
Sie kann mit der Zeit aber so flach, weich und blass werden, dass sie kaum noch auffällt.
Brauche ich eine spezielle Narbencreme?
Bei einer unkomplizierten normalen Narbe meistens nicht.
Eine einfache Pflegecreme reicht häufig aus. Silikonprodukte sind hiervon zu unterscheiden, weil sie insbesondere bei hypertrophen Narben und Keloiden tatsächlich einen therapeutischen Stellenwert haben.
Soll ich meine Narbe massieren?
Wenn die Wunde vollständig geschlossen ist, kann eine sanfte Massage angenehm sein.
Man muss die Narbe aber nicht aggressiv bearbeiten. Ein sicherer langfristiger kosmetischer Nutzen ist nicht für jede Narbenart belegt (Barnes et al. 2024).
Wie lange muss ich Silikon verwenden?
Meist über mehrere Wochen bis Monate.
Narben sind nichts für Ungeduldige.
Können Keloide nach einer Operation wiederkommen?
Leider ja.
Gerade die alleinige operative Entfernung hat ein hohes Rezidivrisiko. Deshalb muss eine Operation in ein Behandlungskonzept eingebettet werden, das eine Rezidivprophylaxe einschließt (S2k-Leitlinie pathologische Narben).
Hilft Sonnenschutz wirklich?
Sonnenschutz macht die Narbe nicht unsichtbar.
Er kann aber verhindern, dass eine frische Narbe durch UV-Strahlung zusätzlich hyperpigmentiert. Deshalb ist konsequenter Lichtschutz gerade in den ersten Monaten sinnvoll.
Fazit
- Zeit und Geduld sind noch immer zwei der wichtigsten Zutaten für eine möglichst unauffällige Narbe.
- Eine normale frische Narbe braucht meistens keine teure Spezialcreme.
- Eine einfache Pflegecreme reicht bei trockener Haut häufig aus.
- Narbenmassage kann angenehm sein und Beschwerden lindern, ist aber kein Wundermittel.
- Silikongel und Silikonpflaster haben bei hypertrophen Narben und Keloiden einen echten therapeutischen Stellenwert.
- Eine hypertrophe Narbe bleibt innerhalb der ursprünglichen Wundgrenzen.
- Ein Keloid wächst darüber hinaus und gehört in erfahrene Hände.
- Keloide sollte man nicht einfach wegoperieren und anschließend vergessen.
- Atrophe Narben benötigen völlig andere Verfahren als hypertrophe Narben.
- Laser kann sinnvoll sein – aber nur, wenn vorher klar ist, welches Problem der Narbe eigentlich behandelt werden soll.
- Und manchmal ist die beste Therapie tatsächlich: erst einmal nichts tun und der Haut Zeit geben.
Medizinisch aktualisiert: September 2026
Autorin: Prof. Dr. med. Maria Gaiser, Fachärztin für Dermatologie
Quellen
- Spielman AF, Griffin MF, Parker J et al. Beyond the Scar: A Basic Science Review of Wound Remodeling. Adv Wound Care. 2023.
- Wang F, Li X, Wang X, Jiang X. Efficacy of topical silicone gel in scar management: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Int Wound J. 2020.
- Barnes SP, Ma Y, Patel B, Muthayya P. Efficacy of Massage Techniques for Hypertrophic Burn Scars – A Systematic Review of Literature. J Burn Care Res. 2024.
- Zhang P et al. Efficacy and Safety of Pressure Therapy Alone and in Combination with Silicone in Prevention of Hypertrophic Scars. Aesthetic Plast Surg. 2023.
- Ou Y et al. Laser, Microneedling, and Combination Therapies for Moderate to Severe Acne Atrophic Scars: A Systematic Review and Network Meta-Analysis. Aesthetic Plast Surg. 2026.
- Nast A et al. S2k-Leitlinie Therapie pathologischer Narben (hypertrophe Narben und Keloide). J Dtsch Dermatol Ges. 2021. Die entsprechende AWMF-Fassung ist inzwischen formal abgelaufen und wird überarbeitet.
