Von der Haut unter´s Mikroskop

In diesem Beitrag geht es um den Weg, den eine Hautprobe nach der Exzision (dem Herausschneiden aus der Haut) bis unter das Mikroskop nimmt.

In diesem Fall wurde ein etwas unregelmäßig gefärbtes Muttermal für verdächtig eingestuft und die Entnahme zur weiteren Untersuchung unter dem Mikroskop empfohlen.

Desinfektion, Betäubung und Operation

Die Haut wird vor der Operation zunächst desinfiziert, dann erfolgt das Einspritzen von lokalem Betäubungsmittel mit einer möglichst schmerzfreien, dünnen Nadel. Anschließen erfolgt eine erneute Desinfektion und das Abdecken des Operationsfeldes mit sterilen Tüchern. Das zumeist rundliche Pigmentmal wird dann spindelförmig ausgeschnitten.

Naht

Je nach Körperregion werden die beiden Wundränder im Anschluss ein- bis zweischichtig vernäht. Sehr dünne Haut, beispielsweise am Auge oder an den Schleimhäuten wird mit einer Schicht genäht. An fast allen übrigen Körperarealen nähert man die Wundränder zunächst mit tiefen, in der Wunde versenkten Nähten an. Diese Fäden werden sich später auflösen.

Die obere Hautschicht wird anschließend vernäht, diese Fäden werden nach 1-2 Wochen entfernt. Das zweischichtige Vernähen sorgt für eine bessere Adaption der Wundränder und höhere Zugstabilität der späteren Narbe.

Konservierung der Hautprobe in Formalin

Die entnommene Hautprobe kommt in ein Gefäß, welches Formalin enthält. Formalin konserviert die Gewebestrukturen, eventuelle Keime werden abgetötet. Eine kleine Hautprobe sollte etwa 6 Stunden in Formalin aufbewahrt werden, bevor sie in der Pathologie weiter verarbeitet werden kann.

Hier sieht man die Probe nach 12-stündiger Fixation in Formalin, Bild: Maria Gaiser

Tuschemarkierung

In der Pathologie wird das Gewebe zunächst vermessen und eine Seite wird mit Tusche eingefärbt. Dies ermöglicht der später am Mikroskop befundenden Person eine bessere Orientierung.

Tusche an der Längskante des Präparates, Bild: Maria Gaiser

Zuschnitt

Im Anschluss schneidet der*ie Patholog*in das Gewebe zu.

Die Spindelspitzen werden abgeschnitten, Bild: Maria Gaiser

Hierbei werden üblicherweise die Spindelenden vom Restpräparat abgetrennt und in getrennte Histokassetten gelegt.

Spindelspitzen und Restpräparat werden in zwei separate Histokassetten eingelegt, Bild: Maria Gaiser

Einbettung der Hautprobe in Paraffin

Die Histokassetten werden dann über Nacht im Einbettautomaten mit Paraffin gefüllt.

Histokassetten warten auf ihre Überführung in den Einbettautomaten, Bild: Maria Gaiser

Dies muss man sich so vorstellen, als wäre die Hautprobe nun in eine Kerze eingebettet. Von dem Paraffinblock werden am nächsten Tag mit dem Mikrotom 3-4 Mikrometer dünne Scheiben abgeschnitten.

Fertige Paraffinblöcke mit den Spindelspitzen (rechts) und dem restlichen Präparat (links), Bild: Maria Gaiser

Aufbringen der Hautprobe auf einen Objektträger

Diese hauchzarten Scheibchen werden auf einen Glas-Objektträger aufgebracht und mit Hämatoxilin und Eosin eingefärbt (H&E-Färbung). Bei der H&E-Färbung handelt es sich um eine Standardfärbung, die die einzelnen Zellen und Gewebsstrukturen ideal für eine anschließende Begutachtung in blauen und rötlichen Farbnuancen darstellt.

Fertige H&E-gefärbte Schnitte, links die Spindelspitzen, rechts das Restpräparat, Bild: Maria Gaiser

Begutachtung der Hautprobe unter dem Mikroskop

Es gibt alleine an der Haut mehrere hunderte verschiedenene entzündlichen und bösartige Hauterkrankungen. Da kann man sich einmal vorstellen, wie viele Diagnose ein*e Patholog*in kennen muss, um Proben aus sämtlichen Organen des menschlichen Körpers begutachten zu können. Als Dermatolog*in kann man eine Zusatzbezeichnung zur Dermatopathologie erlangen, diese ist im Prinzip eine Schnittstelle aus Dermatologie und Pathologie und erlaubt, Hautpräparate zu befunden.

…und los geht die Begutachtung, Bild: Maria Gaiser

Und die Diagnose lautet?

Die Diagnose lautete in diesem Fall: Senile Lentigo Solaris (harmlose Pigmentverschiebung, die durch UV-Einwirkung entsteht).

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