
Kürzlich bat mich ein User auf Instagram, doch einmal ein Reel zum Thema „Blasenpflaster gegen Pickel“ zu machen.
Mein erster Gedanke: Eigentlich gar nicht so dumm.
Denn ganz unabhängig davon, was so ein Pflaster chemisch oder wundheilungsmäßig leistet, hat es einen ziemlich offensichtlichen Vorteil: Man kommt mit den Fingern nicht mehr dran.
Und das ist bei Pickeln schon einmal eine ganze Menge wert.
Wer kennt es nicht? Man fühlt einen kleinen Pickel, drückt ein bisschen, kontrolliert fünf Minuten später nochmal – und hat am Ende aus einer kleinen Entzündung ein größeres Problem gemacht.
Ein Pflaster setzt diesem Treiben ziemlich effektiv ein Ende.
Aber kann ein ganz normales Blasenpflaster tatsächlich noch mehr? Und ist es im Grunde dasselbe wie diese inzwischen überall verkauften Pickel-Patches?
Genau das wollte ich wissen.
Was ist denn eigentlich ein Pickel-Patch?
Hinter vielen Pickel-Patches steckt exakt dasselbe Grundprinzip wie hinter klassischen Blasenpflastern: Hydrokolloid.
Und Hydrokolloide sind keine Erfindung irgendeines TikTok-Influencers. Sie werden seit Jahrzehnten in der Wundversorgung eingesetzt.
Hydrokolloidverbände enthalten wasserbindende Substanzen. Treffen diese auf Flüssigkeit, nehmen sie diese auf und bilden dabei ein weiches Gel.
Genau deshalb sieht ein Pickel-Patch morgens manchmal weißlich und aufgequollen aus.
Und nein: Das ist nicht der gesamte „Dreck“, den das Pflaster über Nacht aus der Tiefe der Haut herausgesaugt hat.
So liest man es gerne im Internet. Das Pflaster ziehe Talg, Eiter und Bakterien geradezu magnetisch aus der Pore.
Das wäre beeindruckend, ist aber Quatsch.
Hydrokolloid erzeugt keinen geheimnisvollen Unterdruck. Es nimmt Flüssigkeit auf, die bereits an der Hautoberfläche vorhanden oder aus einer oberflächlich eröffneten Läsion zugänglich ist. Gleichzeitig hält es die Stelle feucht und schützt sie mechanisch.
Und dieser mechanische Schutz ist für mich tatsächlich einer der größten Vorteile.
Und wie hilft das Pflaster gegen einen Pickel?
Nehmen wir den Klassiker: einen schönen reifen Eiterpickel, also eine Pustel (Pus = Eiter).
Ist diese bereits spontan aufgegangen, haben wir im Grunde eine winzige oberflächliche Wunde, aus der Flüssigkeit austreten kann.
Genau hier spielt ein Hydrokolloid-Patch seine Stärke aus: Er nimmt Flüssigkeit auf, bildet sein typisches Gel und schützt die Stelle gleichzeitig davor, dass man ständig weiter daran herumfummelt.
Und eines der zuverlässigsten Mittel, um aus einem kleinen Pickel ein mehrere Tage sichtbares rotes Mal zu machen, ist bekanntlich: drücken, quetschen, kratzen – und anschließend erstaunt feststellen, dass das Ganze jetzt schlimmer aussieht.
Ein Pflaster ist also auch eine kleine Zwangspause für die Finger.
Aber wirkt das wirklich?
Aber wirkt das wirklich?
Ja – zumindest ein bisschen Evidenz gibt es.
Bereits 2006 wurde eine kleine randomisierte Doppelblindstudie mit 20 Personen mit leichter bis mittelschwerer Akne veröffentlicht. Dabei wurden Hydrokolloid-Aknepflaster mit gewöhnlichem Hautklebeband verglichen. Unter den Hydrokolloid-Patches besserten sich Entzündung und Erscheinungsbild der behandelten Läsionen stärker. (1)
20 Probanden. Wir sprechen also nicht gerade von der Mutter aller Akne-Studien. Aber immerhin.
Eine weitere randomisierte Untersuchung mit 41 Teilnehmern zeigte ebenfalls Verbesserungen unter Hydrokolloid-Patches, unter anderem bei Rötung, Größe und Erhabenheit der behandelten Pickel. Die Ergebnisse wurden 2024 als Abstract veröffentlicht. Die Studie war industriegesponsert – das gehört erwähnt. (2)
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 fasst die Lage ganz gut zusammen: Für Hydrokolloide gibt es jahrzehntelange Erfahrung in der Wundversorgung, für ihren speziellen Einsatz bei Akne dagegen bislang nur relativ wenige klinische Untersuchungen. Die bisherigen Ergebnisse sind positiv, die Evidenzbasis aber noch überschaubar. (3)
Also: Funktioniert grundsätzlich? Ja. Revolutioniert es die Aknetherapie? Nein.
Kann ich statt eines Pickel-Patches einfach ein Blasenpflaster nehmen?
Grundsätzlich steckt in vielen Blasenpflastern ebenfalls Hydrokolloid.
Die Idee ist also keineswegs absurd.
Ein Hydrokolloid weiß schließlich nicht, ob die Flüssigkeit aus einer Blase an der Ferse oder aus einem eröffneten Pickel auf der Stirn kommt.
Trotzdem sind Blasenpflaster und Pickel-Patches nicht zwangsläufig identisch.
Ein Blasenpflaster muss am schwitzenden Fuß trotz Druck und Reibung haften. Entsprechend ist es oft dicker, stärker gepolstert und ausgesprochen haftfreudig.
Ein Pickel-Patch soll dagegen möglichst unauffällig im Gesicht sitzen und sich wieder entfernen lassen, ohne dass die halbe Epidermis mitkommt.
Hydrokolloid ist in beiden, der Kleber ist aber oft sehr unterschiedlich.
Kann ich ein Blasenpflaster kleinschneiden?
Genau das ist der klassische Internet-Hack.
Großes Blasenpflaster kaufen, kleinschneiden, auf mehrere Pickel kleben. Geld gespart.
Genial? Jein.
Zumindest Compeed, einer der großen Hersteller von Blasenpflastern, rät ausdrücklich davon ab, seine Blasenpflaster zuzuschneiden. Klar, könnte man nun denken, die wollen ja schließlich mehr von den Dingern verkaufen. Sie behaupten, die Schichten und Ränder seien für die jeweilige Form konstruiert; durch Zerschneiden könne die Haftung beeinträchtigt werden. Für bestimmte Blasenpflaster weist der Hersteller außerdem darauf hin, empfindliche Bereiche einschließlich des Gesichts zu vermeiden. (4)
Es gibt durchaus zuschneidbare Hydrokolloidverbände. Aber bevor man irgendein Fußpflaster mit der Nagelschere zerlegt und sich ins Gesicht klebt, lohnt ein Blick auf die Packungsbeilage.
Lesen hilft oft weiter.
Bei welchen Pickeln lohnt sich das?
Am meisten überzeugt mich Hydrokolloid bei oberflächlichen Pusteln, insbesondere wenn sie bereits eröffnet sind oder Flüssigkeit abgeben.
Da gibt es etwas, das das Material aufnehmen kann.
Außerdem schützt das Pflaster die lädierte Haut.
Auch bei einem geschlossenen oberflächlichen Pickel kann eine gewisse Verbesserung auftreten, weil durch die Abdeckung die Finger davon bleiben. Durch intakte Haut saugt Hydrokolloid den Follikelinhalt aber nicht einfach heraus.
Bei einem Mitesser? Eher nicht.
Bei einem tiefen schmerzhaften Knoten? Noch weniger.
Bei nodulärer oder zystischer Akne sitzt die Entzündung deutlich tiefer. Ein Pflaster oben auf der Haut kommt dort schlicht nicht hin.
Man kann natürlich trotzdem eines daraufkleben.
Dann hat man einen tiefen Pickel mit Aufkleber.
Und was ist mit diesen schicken Sternchen?
Medizinisch ist dem Pickel natürlich egal, welche Form das Pflaster hat. Aber wenn ein Teenager lieber einen gelben Stern im Gesicht trägt, als an dem Pickel mit den Fingern herumzudrücken, habe ich damit überhaupt kein Problem.
Vielleicht ist das sogar einer der wenigen Social-Media-Trends, die Sinn machen.
Was ein Pickel-Patch nicht kann
Ein Pickel-Patch mit Hydrokolloid behandelt einen einzelnen Pickel. Es behandelt nicht die Akne.
Wer regelmäßig Komedonen, Papeln, Pusteln oder gar Knoten entwickelt, braucht je nach Ausprägung eine vernünftige Aknetherapie.
Und soll man den Pickel vorher ausdrücken?
Ich ahne schon, wie dieser Gedankengang funktioniert:
„Das Pflaster wirkt am besten, wenn Flüssigkeit austritt. Also drücke ich den Pickel vorher ordentlich aus.“
Bitte nicht. Durch Drücken und Quetschen können Entzündung, Hautverletzung und das Risiko für Pigmentverschiebungen oder Narben zunehmen.
Aber wie sagt der Lateiner so schön: „Ubi pus, ibi evacua“ – wo Eiter ist, dort entleere ihn.
Wenn ein Pickel also wirklich „reif“ ist, d. h. sich oben ein klar abgegrenztes weißes Eiterköpfchen gebildet hat, kann dieses vorsichtig (!) unter sauberen Bedingungen (!) – am besten mit einer sterilen Kanüle – eröffnet und entleert werden. Aber bitte ohne Quetschen.
Warum wird das Pflaster weiß?
Man klebt abends einen durchsichtigen Punkt auf den Pickel. Am nächsten Morgen befindet sich darin ein weißer Fleck.
Und unser Gehirn sagt sofort: Aha! Das Zeug ist raus!
Tatsächlich quellen die wasserbindenden Bestandteile des Hydrokolloids durch die aufgenommene Feuchtigkeit auf und bilden ein Gel. Dabei stammt die Feuchtigkeit nicht ausschließlich aus dem Pickel. Über unsere Haut geht ständig Wasser verloren – der sogenannte transepidermale Wasserverlust.
Das weiße Zeug besteht also nicht einfach aus „herausgezogenem Eiter“.
Es ist zum erheblichen Teil das aufgequollene Pflaster selbst.
Das ist jetzt für die meisten sehr enttäuschend, ich weiß, aber deutlich weniger eklig.
Mein Fazit
Mein persönlicher Hauptgrund, warum ich Pickel-Patches gar nicht so dumm finde, ist nicht einmal das Hydrokolloid.
Es ist die simple Tatsache, dass man die Finger vom Pickel lässt.
Und allein das kann verhindern, dass aus einem kleinen Pickel ein größeres Problem wird.
Hydrokolloid kann bei einzelnen oberflächlichen, insbesondere bereits eröffneten oder nässenden Pickeln zusätzlich Flüssigkeit aufnehmen und die Stelle schützen. Die wissenschaftliche Datenlage speziell bei Akne ist noch überschaubar, aber durchaus positiv.
Ein Blasenpflaster beruht häufig auf demselben Prinzip.
Trotzdem würde ich ein für die Ferse konstruiertes, dickes und stark haftendes Pflaster nicht automatisch einem fürs Gesicht entwickelten Patch gleichsetzen. Und wenn der Hersteller sagt, dass sein Produkt nicht zugeschnitten oder nicht im Gesicht verwendet werden soll, würde ich daraus nicht ausgerechnet einen DIY-Hack machen.
Also: Blasenpflaster gegen Pickel? Im Prinzip gar nicht mal so dumm. Aber schaut Euch zumindest vorher mal den Kleber genau an.
Medizinisch aktualisiert: September 2026
Autorin: Prof. Dr. med. Maria Gaiser, Fachärztin für Dermatologie
Quellen
- Chao CM et al. A pilot study on efficacy treatment of acne vulgaris using a new method: results of a randomized double-blind trial with Acne Dressing. J Cosmet Sci. 2006;57(2):95–105.
- Kosmoski G et al. The Science Behind a Viral Trend: Demonstrating Safety and Efficacy of Hydrocolloid Patch for Facial Acne. J Am Acad Dermatol. 2024;91:AB336.
- Nguyen N et al. Narrative Review of the Use of Hydrocolloids in Dermatology: Applications and Benefits. J Clin Med. 2025;14(4):1345.
- COMPEED. Frequently Asked Questions / Product Instructions. Herstellerinformationen, abgerufen September 2026.
